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Ratgeber Bauordnungsrecht

Bauvoranfrage: die verbindliche Antwort auf die entscheidende Frage

Der Bauvorbescheid bindet die Behörde — in Berlin zwei Jahre, in Brandenburg sieben. Was er zusagt, was er kostet, wann er lohnt.

Veröffentlicht Aktualisiert

15 Min. Lesezeit

Wann lohnt sich eine Bauvoranfrage?

Wenn unklar ist, ob das Grundstück im Innen- oder Außenbereich liegt oder ob eine Nebenanlage an der geplanten Stelle zulässig ist. Der Bauvorbescheid ist ein Verwaltungsakt und bindet die Behörde für seine Geltungsdauer. Wie lang die ist, regelt jedes Land selbst: in den neun am Gesetzestext geprüften Ländern zwischen zwei und sieben Jahren.

Rechtsgrundlage: § 75 MBO und die entsprechenden LandesvorschriftenStand: 19.10.2026

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Inhalt9 Abschnitte

Die meisten Gartenhausprojekte scheitern nicht an der Größe, sondern an einer einzigen ungeklärten Frage: Liegt das Grundstück im Innenbereich, und ist an dieser Stelle eine Nebenanlage zulässig? Genau dafür gibt es ein eigenes Verfahren, das mit weit weniger Unterlagen auskommt als ein Bauantrag.

Der Unterschied zur Auskunft

Das ist die häufigste Verwechslung in diesem Thema, und sie kostet Geld. Ruft man beim Bauamt an, bekommt man eine Einschätzung. Sie ist oft zutreffend und immer unverbindlich. Ändert sich die Sachbearbeitung, ändert sich möglicherweise die Antwort — und durchsetzen lässt sich die erste Auskunft nicht.

Die Bauvoranfrage ist etwas anderes: ein förmlicher Antrag auf Vorabentscheidung über einzelne Fragen eines Bauvorhabens. Der Bauvorbescheid, der darauf ergeht, bindet die Behörde. Sie kann später nicht abweichend entscheiden, solange sich Sach- und Rechtslage nicht ändern.

Zwischen „selbst nachsehen" und „den vollständigen Antrag stellen" liegen vier Stufen, und sie unterscheiden sich nicht im Ton, sondern im Rechtscharakter:

  1. Den Bebauungsplan selbst lesen. Kostet nichts und beantwortet mehr, als die meisten erwarten — Baufenster, Grundflächenzahl, der Ausschluss von Nebenanlagen. Wie man die Festsetzungen liest, steht im Ratgeber zum Bebauungsplan.
  2. Formlos beim Bauamt fragen. In der Regel kostenlos, schnell, unverbindlich. Lohnt sich, sobald die Satzung die Frage nicht hergibt. Welche sechs Angaben eine Anfrage beantwortbar machen, zeigt der Ratgeber zur Anfrage beim Bauamt; welche Stelle überhaupt zuständig ist, klärt der Bauamt-Finder.
  3. Die Bauvoranfrage stellen. Gebührenpflichtig, dauert Wochen, und nur sie bindet.
  4. Den Bauantrag einreichen. Volle Unterlagen, volle Gebühr — nachzulesen im Ratgeber zu den Bauantragsunterlagen.

Was der Vorbescheid rechtlich zusagt

Er entscheidet einzelne Fragen vorweg, und zwar mit der Kraft eines Verwaltungsakts. Soweit er etwas feststellt, ist darüber im späteren Baugenehmigungsverfahren nicht mehr zu befinden — so fasst es Michael Hauth in Vom Bauleitplan zur Baugenehmigung (2022, S. 117) zusammen.

Unter den neun Ländern, deren Vorschrift für diese Seite am Gesetzestext gelesen wurde, schreibt Hessen die Bindungswirkung als einziges ausdrücklich hin.

Der einzige ausdrückliche Bindungssatz

Soweit der Bauvorbescheid nicht zurückgenommen oder widerrufen wird, ist er für das Baugenehmigungsverfahren bindend.

§ 76 Abs. 1 Satz 4 HBO, Lesefassung des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr, Wohnen und ländlichen Raum, Stand Oktober 2025Primärquelle(öffnet in neuem Tab)Stand: 19.10.2026 — an der Primärquelle geprüft

Die übrigen acht geprüften Bauordnungen enthalten keinen solchen Satz. Dass eine Entscheidung ihren Urheber bindet, ist dort die herrschende Deutung der Vorschrift und nicht ihr Wortlaut — nur Hessen sagt es selbst.

Ein zweiter Unterschied steht dagegen ausdrücklich da, und er betrifft den Zugang zum Verfahren. Sieben der neun geprüften Länder formulieren eine Pflicht: Der Vorbescheid ist auf Antrag zu erteilen (Bayern, Berlin, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen), in Brandenburg sind die Fragen zu beantworten, in Niedersachsen ist über sie zu entscheiden. Hessen und Baden-Württemberg wählen die weichere Form — dort kann ein Bescheid erteilt beziehungsweise beantragt werden. Was dieser Unterschied im Streitfall für einen Anspruch auf den Vorbescheid bedeutet, ist eine Rechtsfrage, die diese Seite nicht beantwortet; am Wortlaut ist er aber ablesbar.

Zwei Länder setzen eigene Akzente, und beide sind im Wortlaut geprüft. Niedersachsen benennt ausdrücklich, worüber entschieden werden kann: auch über die Frage, ob eine Baumaßnahme nach städtebaulichem Planungsrecht zulässig ist (§ 73 Abs. 1 Satz 2 NBauO). Genau das ist die Frage, um die es beim Gartenhaus meist geht. Brandenburg bindet darüber hinaus andere Behörden mit: Soweit sich die Fragen auf Entscheidungen beziehen, die nach § 72 Abs. 1 Satz 2 BbgBO in eine Baugenehmigung eingeschlossen sind, antwortet die Bauaufsichtsbehörde im Benehmen mit den betroffenen Behörden — mit Bindungswirkung auch für diese (§ 75 Abs. 1 Satz 2 BbgBO).

Die Zusage hält auch, wenn sich das Recht danach ändert. Darin liegt ihr eigentlicher Wert. Für die Veränderungssperre steht das im Bundesrecht: Vorhaben, die vor ihrem Inkrafttreten baurechtlich genehmigt worden sind, werden von ihr nicht berührt (§ 14 Abs. 3 BauGB). Dass dieser Schutz auch dem Vorbescheid zukommt und sich gegen einen später geänderten Bebauungsplan durchsetzt, stützt Hauth (2022, S. 117 f.) auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 3. Februar 1984 — 4 C 39.82, BVerwGE 69, 1. Das ist hier als Zitat der Fachliteratur wiedergegeben: Den Volltext dieser Entscheidung konnte ich nicht aufrufen, die Entscheidungsdatenbank des Gerichts reicht nicht bis 1984 zurück.

Einen eigenen Namen hat der Vorbescheid, der die gesamte planungsrechtliche Seite klärt: Die Gerichte nennen ihn nach Hauth (2022, S. 118) Bebauungsgenehmigung.

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Wann sie sich lohnt

Bei unklarer Lage im Innen- oder Außenbereich. Das ist der klassische Fall. Für ein Gartenhaus im Außenbereich nennen elf Landesbauordnungen dort keine eigene Schwelle mehr, die übrigen fünf nur noch eine deutlich kleinere — und in allen sechzehn steht danach noch § 35 BauGB im Weg. Von außen ist die Zuordnung oft nicht erkennbar.

Bei Zweifeln an der Zulässigkeit von Nebenanlagen. Der Bebauungsplan kann Nebenanlagen außerhalb der überbaubaren Grundstücksfläche ausschließen. Ob Ihr geplanter Standort davon erfasst ist, ist Auslegungssache.

Vor dem Grundstückskauf. Wer ein Grundstück kauft, um darauf zu bauen, sollte die Bebaubarkeit vor dem Notartermin geklärt haben — nicht danach.

Bei einem größeren Vorhaben. Wenn ohnehin ein Bauantrag ansteht, klärt der Vorbescheid die Grundsatzfrage, bevor Sie Planungskosten auslösen.

Wie Sie sie stellen

Der Aufwand ist deutlich geringer als bei einem Bauantrag:

  1. Fragen formulieren. Präzise und beantwortbar. Nicht: „Darf ich hier bauen?“ Sondern: „Ist das Grundstück Flurstück 123, Flur 4, Gemarkung Musterdorf dem Innenbereich nach § 34 BauGB zuzuordnen?“ und „Ist an der im beigefügten Lageplan bezeichneten Stelle eine Nebenanlage nach § 14 BauNVO zulässig?“
  2. Lageplan beifügen. Ein einfacher Lageplan mit eingezeichnetem Vorhaben genügt meist; ein amtlicher Auszug ist selten erforderlich.
  3. Kurze Beschreibung. Art, Größe und Nutzung des geplanten Gebäudes.
  4. Einreichen. Bei derselben Behörde, die auch über einen Bauantrag entscheiden würde.

Wer die Unterlagen erstellen darf, regeln die Länder gegensätzlich — und das entscheidet darüber, ob die Voranfrage ohne Planungsbüro geht. Zwei geprüfte Beispiele, die weiter auseinanderliegen könnten.

Niedersachsen verlangt für die Bauvoranfrage ausdrücklich keine verantwortlichen Personen — weder Entwurfsverfasser noch Unternehmer oder Bauleitung, die eine nicht verfahrensfreie Baumaßnahme nach § 52 Abs. 2 Satz 1 NBauO braucht, wenn die Bauherrschaft die Anforderungen nicht selbst erfüllt (§ 73 Abs. 1 Satz 3 NBauO). Im Einzelfall kann die Bauaufsichtsbehörde trotzdem einen Entwurfsverfasser fordern (§ 73 Abs. 1 Satz 4 NBauO).

Nordrhein-Westfalen kehrt den Grundsatz um: Betreffen die Fragen die Errichtung oder Änderung eines Gebäudes, müssen die Bauvorlagen von einer bauvorlageberechtigten Entwurfsverfasserin oder einem bauvorlageberechtigten Entwurfsverfasser erstellt sein (§ 77 Abs. 2 Satz 1 BauO NRW). Satz 3 nimmt davon aber genau den Fall aus, der hier interessiert: Für einen Antrag, mit dem nur über die Vereinbarkeit mit den planungsrechtlichen Vorschriften über Art der baulichen Nutzung, Bauweise und überbaubare Grundstücksfläche entschieden werden soll, gilt die Pflicht nicht. Wer in Nordrhein-Westfalen also fragt, ob an dieser Stelle überhaupt gebaut werden darf, braucht dafür kein Planungsbüro — wer nach dem Gebäude selbst fragt, schon.

Ob Ihr Land dem einen oder dem anderen Muster folgt, steht in seiner Bauordnung; eine gemeinsame Regel der sechzehn gibt es hier nicht.

Was eine Bauvoranfrage kostet

Eine bundesweite Zahl gibt es nicht. Die Gebühr steht in der Gebührenordnung des Landes oder — wie in Baden-Württemberg — in der Satzung der Gemeinde, und die beiden hier gelesenen Systeme rechnen nach ganz verschiedenen Mustern. Zwei amtliche Beispiele zeigen, wie weit das auseinandergeht.

Baden-Württemberg: die Gemeinde setzt den Satz. Der Bauvorbescheid steht in § 57 LBO, seine Gebühr nicht. In Laupheim im Landkreis Biberach verlangt die Verwaltungsgebührensatzung der unteren Baurechtsbehörde (öffnet in neuem Tab) für die Erteilung eines Bauvorbescheids 2 ‰ der Baukosten, mindestens 150 Euro (Gebührenverzeichnis Nr. 2.1). Im Baugenehmigungsverfahren sind es 6,5 ‰ der Baukosten, ebenfalls mindestens 150 Euro (Nr. 5.1). Der Satz für den Vorbescheid beträgt damit nicht ganz ein Drittel: 2 geteilt durch 6,5 ergibt rund 0,31. Das ist eine Zahl für Laupheim und für keine zweite Gemeinde — Marbach am Neckar berechnet dieselbe Leistung nach Zeit, mit 17,50 Euro je Zeiteinheit von 15 Minuten (Nr. 1.4.1 der Verwaltungsgebührensatzung Baurecht (öffnet in neuem Tab), in Kraft seit dem 1. März 2025). Wie die volle Genehmigungsgebühr zustande kommt, zeigt der Beitrag zu Kosten und Dauer einer Baugenehmigung.

Beim kleinen Gartenhaus entscheidet die Mindestgebühr, nicht der Satz. Die 2 ‰ erreichen die 150 Euro erst bei Baukosten von 75.000 Euro (150 ÷ 0,002), die 6,5 ‰ schon bei rund 23.000 Euro (150 ÷ 0,0065). Unterhalb von 23.000 Euro Baukosten kostet in Laupheim beides dasselbe: die Mindestgebühr von 150 Euro. An der Gebühr spart die Voranfrage dort nichts. Sie spart, was danach käme — Planung, Lieferung und Aufbau für ein Vorhaben, das an dieser Stelle nicht zulässig ist.

Niedersachsen rechnet landesweit und nach einem anderen Muster. § 73 Abs. 1 NBauO verpflichtet die Behörde, über einzelne selbständig beurteilbare Fragen durch Bauvorbescheid zu entscheiden; die Gebühr bemisst die Niedersächsische Baugebührenordnung nicht an den Baukosten, sondern an der Genehmigungsgebühr selbst. Sie beträgt bis zu 90 Prozent davon, mindestens 90 Euro, solange sie sich mit verhältnismäßigem Aufwand nach dem Rohbau- oder Herstellungswert ermitteln lässt (Anlage 1 Nr. 1.14.1, Fassung ab 1. September 2026); im Übrigen wird nach Zeitaufwand abgerechnet (Nr. 1.14.2). Die Obergrenze liegt damit dicht unter der vollen Gebühr. Ein kleiner Bruchteil ist die Vorbescheidsgebühr deshalb nicht überall.

Die Anrechnung ist die Stelle, an der genau zu lesen ist. Das Laupheimer Gebührenverzeichnis setzt beim Baugenehmigungsverfahren und beim vereinfachten Verfahren je einen Klammerzusatz: „Anrechnung der Gebühr aus Bauvorbescheid möglich“ (Nr. 5.1 und 4.1). Mehr steht dort nicht — keine Quote, keine Voraussetzung, kein Anspruch. Niedersachsen schreibt beides hin.

Woran Niedersachsen die Anrechnung bindet

Auf die Gebühr ist die Gebühr für die Erteilung eines Bauvorbescheids nach Nummer 1.14 bis zu 80 Prozent anzurechnen, wenn der Prüfaufwand durch die Erteilung eines Bauvorbescheids vermindert ist; die Mindestgebühr darf nicht unterschritten werden.

Anlage 1 NBauGO, Anmerkung b zu den Nummern 1.1 und 1.2Primärquelle(öffnet in neuem Tab)Stand: 15.10.2026 — an der Primärquelle geprüft

Drei Dinge stehen damit fest: Die Anrechnung setzt voraus, dass der Prüfaufwand wirklich gesunken ist; 80 Prozent sind eine Obergrenze und kein fester Satz; und unter die Mindestgebühr geht es nicht. Für jede andere Behörde gilt deshalb: vorher fragen, nicht hinterher rechnen. Eine Zahl für ganz Deutschland nennt diese Seite nicht, weil es keine gibt, die für alle stimmt.

Was dagegen abschätzbar ist, ist die Bezugsgröße: Weil beide gelesenen Systeme die Vorbescheidsgebühr an der Genehmigungsgebühr oder an den Baukosten festmachen, hilft eine Größenordnung für die Genehmigung selbst weiter. Der Baugebühren-Rechner gibt sie aus — und nennt dabei ebenso offen, dass er mit einem generischen Satz rechnet und keine Landeswerte führt.

Dauer und Geltung

Wie lange die Behörde Zeit hat, steht in der Bauordnung des Landes. Baden-Württemberg gibt ihr für die Fälle des § 57 Abs. 1 — also für die Bauvoranfrage — einen Monat, für den Bauantrag zwei (§ 54 Abs. 5 Satz 1 LBO). Die Frist beginnt erst, sobald die vollständigen Bauvorlagen und alle für die Entscheidung notwendigen Stellungnahmen vorliegen (§ 54 Abs. 5 Satz 2 LBO). Das ist baden-württembergisches Recht und kein Bundesmaßstab.

Wie lange der Vorbescheid gilt

Die Zahl, die überall steht, ist „drei Jahre" — und sie stimmt nicht überall. Drei Jahre nennt die Musterbauordnung (§ 75 Satz 2 MBO), und die ist selbst kein Recht, sondern nur die Vorlage, von der die Länder abweichen dürfen. Mehrere tun es.

Die folgende Übersicht führt die neun Länder, deren Vorschrift für diese Seite am Gesetzestext gelesen wurde. Jede Zeile nennt die Fundstelle, damit sie nachprüfbar ist.

Tabelle mit den Spalten Land, Fundstelle, Der Vorbescheid gilt und Verlängerung auf Antrag.
LandFundstelleDer Vorbescheid giltVerlängerung auf Antrag
Baden-Württemberg§ 57 Abs. 1 Satz 2 LBOdrei Jahreim Wortlaut nicht vorgesehen
BayernArt. 71 Satz 2 BayBOvier Jahre, soweit nichts anderes bestimmt istjeweils bis zu vier Jahre
Berlin§ 75 Abs. 1 Satz 2 BauO Blnzwei Jahrezweimal, je bis zu ein Jahr
Brandenburg§ 73 Abs. 1 Satz 1 BbgBOsieben Jahreim Wortlaut nicht vorgesehen
Bremen§ 75 Satz 2 BremLBOdrei Jahreeinmalig, um zwei Jahre
Hessen§ 76 Abs. 1 Satz 2 HBOdrei Jahrejeweils bis zu ein Jahr
Niedersachsen§ 73 Abs. 2 Satz 1 NBauOdrei Jahre bis zur Stellung des Bauantragsbis zu drei Jahre
Nordrhein-Westfalen§ 77 Abs. 1 Satz 2 BauO NRWdrei Jahrejeweils bis zu ein Jahr
Sachsen§ 75 Satz 2 SächsBOdrei Jahrejeweils bis zu ein Jahr

Sechs dieser neun Länder nennen drei Jahre. Berlin nennt zwei, Bayern vier, Brandenburg sieben — die Spanne reicht also vom Halben bis zum Doppelten des Werts, den die meisten Ratgeber als allgemeine Regel führen. Wer auf „drei Jahre" plant, plant in Berlin ein Jahr zu lang.

Auch die Verlängerung folgt keinem gemeinsamen Muster, und sie ist nirgends ein Selbstläufer. Vier der neun Länder lassen „jeweils bis zu einem Jahr" zu, Bayern bis zu vier Jahre, Niedersachsen bis zu drei. Bremen erlaubt nur eine Verlängerung, dann aber gleich um zwei Jahre, und Berlin genau zwei Verlängerungen von je einem Jahr — dort ist bei vier Jahren Schluss. Baden-Württemberg und Brandenburg sehen im Wortlaut ihrer Vorbescheidsvorschrift überhaupt keine Verlängerung vor.

Für die sieben übrigen Länder nennt diese Seite bewusst keine Zahl. Ihre Landesrechtsportale gehören zur juris-Familie und liefern an ein Abrufprogramm statt des Gesetzestextes eine JavaScript-Hülle von rund fünf Kilobyte — mit dem Statuscode 200, der Erreichbarkeit nur vortäuscht. Eine Zahl, die ich nicht am amtlichen Text gelesen habe, schreibe ich hier nicht hin. Das kann ich nicht bestätigen heißt in diesem Fall: Fragen Sie für Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, das Saarland, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen bei der zuständigen Behörde nach oder lesen Sie die Vorschrift Ihres Landes selbst.

Brandenburg ist zusätzlich eine Lesefalle, und zwar eine, in die man leicht tritt. Die Vorschrift mit der Überschrift „Vorbescheid" — § 75 BbgBO — nennt selbst keine Geltungsdauer. Ihr Absatz 3 regelt nur einen Sonderfall mit drei Jahren: die Fragen, die nach Absatz 1 Satz 2 im Benehmen mit anderen Behörden beantwortet werden. Die allgemeine Dauer steht eine Vorschrift davor, in § 73 Abs. 1 Satz 1 BbgBO, und gilt dort für Baugenehmigung, Teilbaugenehmigung und Vorbescheid gemeinsam: sieben Jahre. Wer nur § 75 aufschlägt, findet entweder keine Zahl oder die falsche.

Zwei verschiedene Mechanismen, dieselbe Zahl

Baden-Württemberg und Niedersachsen kommen beide auf drei Jahre, aber nicht auf demselben Weg — und der Unterschied ist praktisch. In Baden-Württemberg gilt der Bauvorbescheid drei Jahre (§ 57 Abs. 1 Satz 2 LBO). In Niedersachsen erlischt er, wenn nicht innerhalb von drei Jahren nach seiner Erteilung der Bauantrag gestellt wird (§ 73 Abs. 2 Satz 1 NBauO). Die niedersächsische Fassung knüpft die Frist also an eine Handlung, die in der Frist liegen muss; die baden-württembergische lässt sie einfach ablaufen.

Verlängern lässt sich die niedersächsische Frist auf Antrag um jeweils höchstens drei Jahre (§ 71 Abs. 1 Satz 3 in Verbindung mit § 73 Abs. 2 Satz 2 NBauO). Das kostet 20 Prozent der Vorbescheidsgebühr, mindestens 90 Euro, wenn diese nach Nr. 1.14.1 festgesetzt war; andernfalls wird auch die Verlängerung nach Zeitaufwand abgerechnet (Anlage 1 Nr. 1.15.1 und 1.15.2 NBauGO). Dass eine Verlängerung gewährt wird, ist dabei nicht gesagt — Hauth (2022, S. 118) tritt ausdrücklich dem Irrtum entgegen, sie erfolge gleichsam automatisch.

Sachsen schützt die Frist gegen eine Verzögerung, die die Bauherrschaft nicht zu verantworten hat: Legt ein Dritter einen Rechtsbehelf ein, hemmt das den Lauf der Frist bis zur Unanfechtbarkeit des Vorbescheids (§ 75 Satz 2 SächsBO). Unter den neun geprüften Ländern steht diese Hemmung nur dort.

Eines bleibt in allen Ländern gleich: Der Vorbescheid ersetzt die Baugenehmigung nicht. Ist das Vorhaben nach der beschiedenen Zuordnung verfahrensfrei, brauchen Sie danach nichts weiter — ist es das nicht, folgt der Bauantrag.

Wenn die Antwort negativ ausfällt

Der Vorbescheid ist ein Verwaltungsakt und damit mit Widerspruch beziehungsweise Klage angreifbar. Ob das aussichtsreich ist, gehört in die Hand einer Fachanwältin oder eines Fachanwalts für Bau- und Architektenrecht.

Der praktische Wert liegt aber auch in der negativen Antwort: Sie erfahren vor Bestellung, Lieferung und Aufbau, dass ein Gartenhaus an dieser Stelle nicht geht. Kostenlos ist diese Antwort nicht — in Laupheim entsteht die Gebührenschuld mit der Beendigung der öffentlichen Leistung (§ 5 Abs. 1 der Satzung), nicht mit einem günstigen Ergebnis.

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Häufige Fragen

Ist eine telefonische Auskunft vom Bauamt verbindlich?

Nein. Eine mündliche Auskunft ist rechtlich nicht bindend und lässt sich später nicht durchsetzen. Verbindlichkeit entsteht erst mit dem Bauvorbescheid, weil dieser ein Verwaltungsakt ist und damit auch anfechtbar.

Wie lange gilt ein Bauvorbescheid?

Das regelt jedes Land selbst. Die Musterbauordnung nennt drei Jahre (§ 75 Satz 2 MBO), aber von den neun Ländern, deren Vorschrift für diesen Beitrag am Gesetzestext gelesen wurde, weichen drei ab: Berlin zwei Jahre, Bayern vier, Brandenburg sieben. Innerhalb der Frist ist die Behörde an die beschiedene Frage gebunden, sofern sich Sach- und Rechtslage nicht ändern.

Quellen und Fundstellen

Jede Angabe in diesem Beitrag steht auf einer der folgenden Vorschriften. Die Links führen an die amtliche Fassung, nicht an eine Zusammenfassung.

Rechtsgrundlage dieses Beitrags

§ 75 MBO und die entsprechenden Landesvorschriften

Bundesrecht

  1. Musterbauordnung (MBO) (öffnet in neuem Tab)

    Kein geltendes Recht, sondern die Vorlage der Bauministerkonferenz, an der sich die Systematik der sechzehn Landesbauordnungen ausrichtet — § 6 Abstandsflächen, § 61 verfahrensfreie Vorhaben, § 83 Baulasten. Zitiert wird auf dieser Seite stets das Landesrecht, nicht die MBO.

LandesrechtDie 16 Landesbauordnungen im Wortlaut

Prüfdatum und Prüfstand jeder einzelnen Zeile stehen in der Quellenübersicht, jede inhaltliche Korrektur mit Datum und Begründung im Änderungsprotokoll.

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