Baden-Württemberg · LBO BW
Baugenehmigung in Baden-Württemberg: was die LBO BW erlaubt
Landesbauordnung für Baden-Württemberg (LBO BW) regelt, welche Vorhaben in Baden-Württemberg ohne Verfahren errichtet werden dürfen. Diese Seite führt alle acht Vorhabenarten mit Schwellenwert, Fundstelle und Abstandsflächenregel auf.
Rechtsstand: 16.10.2026Stand: 16.10.2026 — an der Primärquelle geprüft§ 5 Abs. 7 LBO, geprüft auf landesrecht-bw.de
Welche Vorhaben brauchen in Baden-Württemberg keine Baugenehmigung?
Von den acht Vorhabenarten dieser Seite ist in Baden-Württemberg eine in jeder Größe genehmigungspflichtig: Wintergarten. Ein Gartenhaus etwa bleibt in Baden-Württemberg bis 40 m³ Brutto-Rauminhalt verfahrensfrei, so § 50 Abs. 1 LBO i. V. m. Anhang 1 Nr. 1 Buchst. a. Voraussetzung: kein Aufenthaltsraum, keine Toilette, keine Feuerstätte — und das Grundstück liegt im Innenbereich. Im Außenbereich sinkt die Schwelle auf 20 m³ — dort steht dem Vorhaben aber meist § 35 BauGB entgegen. Die Freistellung betrifft allein das Verfahren: Grenzabstand und die übrigen Bauvorschriften gelten weiter. Die Abstandsfläche beträgt 0,4 × Wandhöhe, mindestens 2,50 m.
Rechtsgrundlage: § 50 Abs. 1 LBO i. V. m. Anhang 1 Nr. 1 Buchst. aStand: 04.08.2026
Alle Vorhabenarten in Baden-Württemberg
| Vorhaben | Schwelle | Fundstelle | Stand |
|---|---|---|---|
| Gartenhaus | 40 m³ | § 50 Abs. 1 LBO i. V. m. Anhang 1 Nr. 1 Buchst. a | 04.08.2026 — an der Primärquelle geprüft |
| Carport | 50 m² | § 50 Abs. 1 LBO i. V. m. Anhang 1 Nr. 1 Buchst. b | 04.08.2026 — an der Primärquelle geprüft |
| Garage | 50 m² | § 50 Abs. 1 LBO i. V. m. Anhang 1 Nr. 1 Buchst. b | 04.08.2026 — an der Primärquelle geprüft |
| Terrassenüberdachung | 30 m² | § 50 Abs. 1 LBO i. V. m. Anhang 1 Nr. 1 Buchst. l | 25.10.2026 — an der Primärquelle geprüft |
| Schwimmbecken | 100 m³ | § 50 Abs. 1 LBO i. V. m. Anhang 1 Nr. 6 Buchst. e | 04.08.2026 — an der Primärquelle geprüft |
| Wintergarten | genehmigungspflichtig | § 49 LBO | 04.08.2026 — an der Primärquelle geprüft |
| Einfriedung | ohne Größengrenze | § 50 Abs. 1 LBO i. V. m. Anhang 1 Nr. 7 Buchst. a | 04.08.2026 — an der Primärquelle geprüft |
| Sonstige Nebenanlage | 40 m³ | § 50 Abs. 1 LBO i. V. m. Anhang 1 Nr. 1 Buchst. a | 04.08.2026 — an der Primärquelle geprüft |
Abstandsflächen in Baden-Württemberg
Die Tiefe der Abstandsfläche beträgt 0,4 × Wandhöhe, mindestens 2,50 m. Bei einer Wandhöhe von 2,60 m sind das 2,50 m. Die Fläche muss vollständig auf dem eigenen Grundstück liegen.
Abstandsflächen
Die Tiefe der Abstandsflächen beträgt allgemein 0,4 der Wandhöhe, in Kerngebieten, Dorfgebieten, dörflichen Wohngebieten, urbanen Gebieten, besonderen Wohngebieten und bei Antennenanlagen im Außenbereich 0,2 der Wandhöhe, in Gewerbegebieten und in Industriegebieten sowie in Sondergebieten, die nicht der Erholung dienen, 0,125 der Wandhöhe. Sie darf jedoch 2,5 m, bei Wänden bis 5 m Breite 2 m nicht unterschreiten.
- Das Mindestmaß liegt bei 2,50 m und damit unter den 3 m, die in den meisten Ländern gelten. Bei schmalen Wänden bis 5 m Breite genügen sogar 2 m.
An die Grenze bauen in Baden-Württemberg
Garagen und Gebäude ohne Aufenthaltsräume dürfen bis 3,00 m mittlerer Wandhöhe direkt an die Grenze. Zulässig sind 9,00 m je Grundstücksgrenze und 15,00 m über alle Grenzen zusammen. Bereits vorhandene Grenzbauten werden angerechnet.
Grenzbebauung
In den Abstandsflächen baulicher Anlagen sowie ohne eigene Abstandsflächen sind zulässig Garagen, Gewächshäuser und Gebäude ohne Aufenthaltsräume mit einer Wandhöhe bis 3 m und einer Wandfläche bis 25 m². Die Grenzbebauung darf entlang den einzelnen Nachbargrenzen 9 m und insgesamt 15 m nicht überschreiten.
- Baden-Württemberg begrenzt zusätzlich die Wandfläche auf 25 m². Eine 9 m lange Grenzwand ist damit rechnerisch nur bis rund 2,75 m Höhe möglich.
- Anders als die meisten Länder stellt Baden-Württemberg auf die Wandhöhe ab, nicht auf die mittlere Wandhöhe.
Zwischen Freistellung und Bauantrag: das Kenntnisgabeverfahren
Zwischen Freistellung und Bauantrag liegt in Baden-Württemberg eine dritte Stufe. § 49 LBO macht Errichtung und Abbruch genehmigungspflichtig, „soweit in §§ 50, 51, 69 oder 70 nichts anderes bestimmt ist“ — die Genehmigungspflicht ist also der Rest, der bleibt, wenn keine dieser Vorschriften greift. Die kleinen Fälle nimmt Anhang 1 zu § 50 Abs. 1 LBO heraus, und zwar je Vorhabenart mit eigener Zahl: Gebäude ohne Aufenthaltsräume, Toiletten oder Feuerstätten bis 40 m³ nach Nr. 1 Buchst. a, Garagen einschließlich überdachter Stellplätze bis 50 m² nach Buchst. b, Terrassen und Terrassenüberdachungen bis 30 m² nach Buchst. l. Wer darüber liegt, landet aber nicht automatisch beim Bauantrag.
Die 40 m³ selbst nennt kein anderes Land. Sechs Länder stehen bei 75 m³, drei bei 30 m³, Rheinland-Pfalz bei 50 m³; Baden-Württemberg liegt mit seinen 40 m³ dazwischen und allein. In Metern heißt das: Ein Gerätehaus von 4,00 × 4,00 m Außenmaß mit 2,50 m mittlerer Höhe kommt auf genau 40 m³ und schöpft die Freistellung damit vollständig aus. Im Außenbereich sinkt die Schwelle auf 20 m³ — eine solche zweite, kleinere Schwelle kennen überhaupt nur fünf Länder, neben Baden-Württemberg noch Bayern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein.
Der dritte Weg ist kein Automatismus, sondern eine Entscheidung der Bauherrschaft. § 51 Abs. 1 LBO erklärt kein Vorhaben für freigestellt; er sagt, das Kenntnisgabeverfahren „kann durchgeführt werden“ — bei Wohngebäuden, bei sonstigen Gebäuden der Gebäudeklassen 1 bis 3 außer Gaststätten, bei baulichen Anlagen, die keine Gebäude sind, und bei Nebengebäuden und Nebenanlagen dazu, Sonderbauten ausgenommen. Er greift zudem nur, „soweit die Vorhaben nicht bereits nach § 50 verfahrensfrei sind“. Wer stattdessen eine Genehmigung will, bekommt sie: Nach § 52 Abs. 1 Satz 1 LBO kann der Bauherr neben dem Kenntnisgabeverfahren ein Baugenehmigungsverfahren beantragen.
Darin liegt der Unterschied zur Genehmigungsfreistellung der Nachbarländer, und er ist eine Richtungsfrage. Art. 58 Abs. 1 Satz 1 BayBO erklärt ein Vorhaben für „genehmigungsfrei gestellt“, § 63 Abs. 1 Satz 1 BauO NRW sagt „Keiner Genehmigung bedarf“, § 64 Abs. 1 Satz 1 HBO „Keiner Baugenehmigung bedarf“ — dort wirkt die Freistellung von Gesetzes wegen. Alle drei binden sie aber an eine Bedingung, die § 51 LBO nicht stellt: Die Gemeinde darf nicht erklären, dass doch ein Genehmigungsverfahren durchzuführen ist (Art. 58 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 BayBO, § 63 Abs. 2 Satz 1 Nr. 4 BauO NRW, § 64 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 HBO). Ein solches Erklärungsrecht der Gemeinde steht in § 51 LBO nicht. Aufhalten lässt sich der Baubeginn trotzdem: § 59 Abs. 4 LBO nennt die Mitteilung nach § 53 Abs. 6 LBO und die Untersagung nach § 47 Abs. 1 LBO — beides Sache der Baurechtsbehörde — sowie die vorläufige Untersagung nach § 15 Abs. 1 Satz 2 BauGB, die die Gemeinde beantragt.
Eine Hürde stellt die LBO dafür auf, die diese drei nicht kennen: das Alter des Bebauungsplans. § 51 Abs. 2 Nr. 1 LBO verlangt einen qualifizierten Bebauungsplan nach § 30 Abs. 1 BauGB, der nach dem 29. Juni 1961 rechtsverbindlich geworden ist, oder einen Plan nach §§ 12, 30 Abs. 2 BauGB; Nr. 2 verlangt, dass keine Veränderungssperre nach § 14 BauGB besteht, und widersprechen darf das Vorhaben den Festsetzungen ebenfalls nicht. Ist der Plan älter, führt über § 51 LBO kein Weg — gleich wie klein das Vorhaben ist. Bayern, Nordrhein-Westfalen und Hessen verlangen einen Bebauungsplan, aber kein Stichdatum.
Was das Verfahren nicht leistet, sagt § 51 Abs. 4 LBO: Kenntnisgabepflichtige Vorhaben müssen den öffentlich-rechtlichen Vorschriften ebenso entsprechen wie genehmigungspflichtige. Eine Entscheidung darüber ergeht nicht: Nach § 59 Abs. 4 LBO darf die Ausführung beginnen, sobald die vollständigen Bauvorlagen zwei Wochen bei der Baurechtsbehörde liegen. Dass niemand prüfen muss, schreibt die LBO anders als § 63 Abs. 3 Satz 3 BauO NRW und § 64 Abs. 3 Satz 3 HBO allerdings nicht ausdrücklich hin. Wer den Grenzabstand von der Behörde geprüft haben möchte, muss deshalb den anderen Weg wählen: Im vereinfachten Baugenehmigungsverfahren prüft die Baurechtsbehörde nach § 52 Abs. 2 Nr. 2 LBO ausdrücklich die Übereinstimmung mit den §§ 5 bis 7 LBO. Freiwillig ist die Kenntnisgabe ohnehin nur bei der Errichtung: Beim Abbruch „wird“ sie nach § 51 Abs. 3 LBO durchgeführt, soweit § 50 Abs. 3 LBO ihn nicht schon verfahrensfrei stellt.
§§ 49 bis 52 und § 59 Abs. 4 LBOQuelle(öffnet in neuem Tab)Stand: 16.10.2026 — an der Primärquelle geprüft
Gelesen: die Neufassung der Landesbauordnung für Baden-Württemberg vom 16. März 2026 im Gesetzblatt 2026 Nr. 44 — §§ 49 bis 52, § 59 und Anhang 1 — sowie Art. 58 BayBO, § 63 BauO NRW und § 64 HBO in ihren amtlichen Fassungen; die Vergleichszahlen aus dem Datensatz dieser Website.
Besonderheiten Baden-Württembergs
- Die verfahrensfreien Vorhaben stehen nicht im Paragraphentext selbst, sondern im Anhang zu § 50 Abs. 1 LBO. Die Nummer des Anhangs gehört zwingend in jedes Zitat.
Das Änderungsprotokoll verzeichnet 8 Einträge zu Baden-Württemberg; der jüngste stammt vom 25. Oktober 2026. Zum Änderungsprotokoll
Zuständige Behörde finden
Verbindlich entscheidet die untere Bauaufsichtsbehörde Ihrer Gemeinde oder Ihres Landkreises.
Landesportal Baden-WürttembergHäufige Fragen zu Baden-Württemberg
Wie groß darf ein Gartenhaus in Baden-Württemberg ohne Baugenehmigung sein?
Bis 40 m³ Brutto-Rauminhalt, so § 50 Abs. 1 LBO i. V. m. Anhang 1 Nr. 1 Buchst. a. Das Gebäude darf keinen Aufenthaltsraum, keine Toilette und keine Feuerstätte enthalten. Im Außenbereich sinkt die Schwelle auf 20 m³; bauplanungsrechtlich bleibt das Vorhaben dort nach § 35 BauGB meist unzulässig.
Welchen Abstand muss ein Gartenhaus in Baden-Württemberg zur Grundstücksgrenze haben?
Die Abstandsfläche beträgt 0,4 × Wandhöhe, mindestens 2,5 m, so § 5 Abs. 7 LBO. Bei 2,60 m Wandhöhe sind das 2,5 m. Die Fläche muss vollständig auf dem eigenen Grundstück liegen.
Darf ich in Baden-Württemberg direkt an die Grundstücksgrenze bauen?
Ja, für Garagen und Gebäude ohne Aufenthaltsräume bis 3 m Wandhöhe. Zulässig sind 9 m je Grundstücksgrenze und 15 m über alle Grenzen zusammen, so § 6 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 und Satz 3 LBO. Vorhandene Grenzbauten werden angerechnet.
Ist ein Carport in Baden-Württemberg genehmigungsfrei?
Bis 50 m² Brutto-Grundfläche, so § 50 Abs. 1 LBO i. V. m. Anhang 1 Nr. 1 Buchst. b. Der Carport gilt bauordnungsrechtlich als Garage. Gemessen wird die überdachte Fläche einschließlich Dachüberstand, nicht die Stellplatzfläche. Im Außenbereich gilt die Freistellung nicht.
Ist eine Terrassenüberdachung in Baden-Württemberg genehmigungsfrei?
Bis 30 m² überdachter Grundfläche, so § 50 Abs. 1 LBO i. V. m. Anhang 1 Nr. 1 Buchst. l. Voraussetzung ist, dass die Überdachung an den Seiten offen bleibt. Wird sie verglast oder seitlich geschlossen, gilt sie als Wintergarten und ist genehmigungspflichtig.
Gilt die Verfahrensfreiheit in Baden-Württemberg auch im Außenbereich?
Nein. LBO BW nimmt den Außenbereich ausdrücklich aus. Dort ist ein privates Gartengebäude nach § 35 BauGB zusätzlich materiell unzulässig, weil es öffentliche Belange beeinträchtigt. Ob Ihr Grundstück im Innen- oder Außenbereich liegt, klärt verbindlich die Gemeinde.

