„Ihr Bauantrag gilt als genehmigt" — dieser Satz steht in mehreren Landesbauordnungen, aber nicht in allen, und dort, wo er steht, meint er in jedem Land etwas anderes. Eine Genehmigungsfiktion ist keine bundeseinheitliche Regel, sondern eine Landesvorschrift mit eigener Frist, eigenem Anwendungsbereich und eigenen Ausnahmen. Wer sich auf sie beruft, muss wissen, welches Landesrecht gilt — und was genau dort verlangt wird.
Niedersachsen: befristet, terminiert — und ab 2027 selbst Geschichte
Die niedersächsische Regelung ist die auffälligste im Vergleich, weil sie sich selbst ein Ablaufdatum gibt.
§ 70a NBauO — Genehmigungsfiktion
Ist über einen Bauantrag zur Errichtung oder Änderung eines Wohngebäudes oder eines Gebäudes, das überwiegend dem Wohnen dient, im vereinfachten Baugenehmigungsverfahren nach § 63, zur Nutzungsänderung von Räumen oder eines Gebäudes, durch die Wohnraum geschaffen werden soll, im vereinfachten Baugenehmigungsverfahren nach § 63 oder zur Errichtung oder Änderung von Antennen einschließlich der Masten und dazugehöriger Anlagen zu entscheiden, so gilt § 42a VwVfG in Verbindung mit § 1 Abs. 1 NVwVfG. Die Absätze 1 und 2 gelten nur für Bauanträge, die ab dem 1. Juli 2024 bei der Bauaufsichtsbehörde eingehen und bei denen die erforderlichen Unterlagen vollständig und ohne erhebliche Mängel bis zum 31. Dezember 2026 bei der Bauaufsichtsbehörde vorliegen.
Zwei Bedingungen greifen hier ineinander, und beide sind Stichtage, keine Zeiträume ab Antragstellung. Die Fiktion gilt nur für einen Bauantrag, der ab dem 1. Juli 2024 eingegangen ist. Und sie gilt nur, wenn die vollständigen, mängelfreien Unterlagen spätestens am 31. Dezember 2026 vorliegen. Ein Antrag, dessen Unterlagen erst im Januar 2027 vollständig sind, fällt aus dem Anwendungsbereich heraus — unabhängig davon, wann der Antrag ursprünglich gestellt wurde.
Niedersachsen verweist dabei nicht auf eine eigene Frist, sondern auf das allgemeine Verwaltungsverfahrensrecht: § 42a VwVfG in Verbindung mit § 1 Abs. 1 NVwVfG. Die Drei-Monats-Frist und die Voraussetzungen für eine Verlängerung stehen also nicht in der NBauO selbst, sondern im Verwaltungsverfahrensgesetz, auf das sie verweist.
Wer heute in Niedersachsen baut und sich auf § 70a NBauO verlassen will, hat damit ein enges Zeitfenster: Antrag ab Juli 2024, vollständige Unterlagen bis Ende 2026 — und eine Vorschrift, die spätestens Mitte 2027 in der jetzigen Form nicht mehr existiert.
Bayern: die Fiktion steht in Art. 68, nicht in Art. 65
Bayerns Fassung ist im Aufbau der niedersächsischen ähnlich — auch sie verweist auf eine allgemeine Vorschrift statt eine eigene Frist zu formulieren —, ist aber inhaltlich enger gefasst und nicht befristet. Art. 68 Abs. 2 BayBO erklärt Art. 42a BayVwVfG nur für Bauanträge im vereinfachten Verfahren nach Art. 59 BayBO für anwendbar: Wohngebäude, wohnraumschaffende Nutzungsänderungen und Mobilfunkanlagen. Die Frist beginnt drei Wochen nach Zugang des Bauantrags und beträgt nach Art. 42a Abs. 2 Satz 1 BayVwVfG drei Monate, einmal verlängerbar bei besonderer Schwierigkeit der Angelegenheit.
Diese Angaben sind im Projekt bereits primärquellengeprüft — am 20. August
2026, am gesetze-bayern.de-PDF-Endpunkt zu Art. 68 BayBO und Art. 42a
BayVwVfG, ausführlich im Ratgeber Bauantrag in Bayern seit
2025. Ein erneuter
Abruf für diesen Beitrag scheiterte am 19. September 2026 an einer temporären
Bot-Abwehr des Portals (Sicherheitsabfrage statt Gesetzestext) — kein Hinweis
auf eine inhaltliche Änderung, nur ein Grund, die bereits geprüfte Fassung
unverändert zu übernehmen, statt sie heute neu zu behaupten.
Sachsen, Brandenburg und Thüringen: dieselbe Formel, dreimal
Drei Länder regeln die Fiktion vollständig eigenständig in der eigenen Bauordnung — kein Verweis auf ein allgemeines Verfahrensgesetz — und benutzen dabei denselben Wortlaut: drei Monate, verlängerbar um bis zu zwei weitere Monate aus wichtigem Grund.
§ 69 Abs. 4 und 5 SächsBO
Die Bauaufsichtsbehörde entscheidet innerhalb von drei Monaten über den Bauantrag. Sie kann bei Vorliegen eines wichtigen Grundes um höchstens zwei Monate verlängert werden. Im vereinfachten Verfahren nach § 63, ausgenommen bei baulichen Anlagen nach § 62 Absatz 1 Satz 2 Nummer 3, gilt die Genehmigung als erteilt, wenn die Bauaufsichtsbehörde nicht innerhalb der Frist des Absatzes 4 über den Bauantrag entschieden hat.
Sachsens vereinfachtes Verfahren nach § 63 SächsBO ist dabei breit zugeschnitten: Es gilt für praktisch jede genehmigungsbedürftige bauliche Anlage, ausgenommen nur Sonderbauten und UVP-pflichtige Vorhaben.
§ 63 Abs. 4 BbgBO
Über den Bauantrag ist innerhalb von drei Monaten nach Vorlage der vollständigen Antragsunterlagen zu entscheiden; die Bauaufsichtsbehörde kann diese Frist gegenüber der Bauherrin oder dem Bauherrn aus wichtigem Grund um bis zu zwei Monate verlängern. Der Antrag gilt als genehmigt, wenn über ihn nicht innerhalb der nach Satz 1 maßgeblichen Frist entschieden worden ist.
Brandenburg zieht den Anwendungsbereich enger als Sachsen: Das vereinfachte Verfahren nach § 63 Abs. 1 BbgBO — und damit die Fiktion — steht nur Wohngebäuden der Gebäudeklassen 1 bis 3 im Geltungsbereich eines Bebauungsplans offen, und nur auf Antrag der Bauherrschaft. Ein Vorhaben ohne Bebauungsplan durchläuft stattdessen das gewöhnliche Baugenehmigungsverfahren nach § 64 BbgBO — dort kennt das Gesetz weder Frist noch Fiktion.
§ 65 Abs. 2 ThürBO
Über den Bauantrag ist innerhalb von drei Monaten nach Vorlage der vollständigen Antragsunterlagen zu entscheiden; die Bauaufsichtsbehörde kann diese Frist gegenüber der Antragstellerin oder dem Antragsteller aus wichtigem Grund um bis zu zwei Monate verlängern. Der Antrag gilt als genehmigt, wenn über ihn nicht innerhalb der nach Satz 1 maßgeblichen Frist entschieden worden ist.
Thüringen zählt zusätzlich Antennen samt Masten und sonstige Anlagen, die keine Gebäude sind, zum vereinfachten Verfahren — ähnlich der Antennen-Ziffer in Niedersachsens § 70a. Für Anlagen im Anwendungsbereich der EU-Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RL (EU) 2018/2001) — vor allem Windenergieanlagen über 30 m — gilt zusätzlich eine eigene Jahresfrist, die sich um bis zu ein weiteres Jahr verlängern lässt.
Hamburg: zwei Monate, und nur mit Einverständnis der Bauherrschaft
Hamburgs zum 1. Januar 2026 neu gefasste Bauordnung setzt eine kürzere Frist an — und knüpft die Verlängerung an eine ungewöhnliche Bedingung.
§ 63 Abs. 3 HBauO
Über den Antrag ist innerhalb einer Frist von zwei Monaten nach Eingang der vollständigen Unterlagen zu entscheiden. Im Einvernehmen mit der Bauherrin bzw. dem Bauherrn kann die Frist nach Satz 1 verlängert werden. Die Genehmigung gilt als erteilt, wenn sie nicht innerhalb der Fristen nach den Sätzen 1 und 2 versagt wurde.
Der Unterschied zu den drei zuvor genannten Ländern ist genau die zweite Zeile: In Sachsen, Brandenburg und Thüringen kann die Behörde die Frist einseitig aus „wichtigem Grund" verlängern. In Hamburg braucht sie dafür das Einvernehmen der Bauherrschaft. Ohne diese Zustimmung bleibt es bei den zwei Monaten — ein spürbar bauherrenfreundlicherer Mechanismus. Ausgenommen von der Fiktion sind Sonderbauten sowie Vorhaben im angemessenen Sicherheitsabstand eines Störfall-Betriebsbereichs; für Anlagen nach RL (EU) 2018/2001 gilt auch hier eine gesonderte Jahresfrist.
Die zitierte Quelle ist die vom Amt für Landesplanung und Stadtentwicklung
veröffentlichte, nichtamtliche Lesefassung der HBauO — das amtliche
Landesrechtsportal landesrecht-hamburg.de liefert für einzelne Paragraphen
bislang keinen Gesetzestext, sondern nur eine leere Gerüstseite.
Rheinland-Pfalz: die Frist beginnt seit Kurzem früher
Rheinland-Pfalz regelt die Fiktion in § 66 Abs. 5 LBauO, ebenfalls eigenständig und ohne Verweis auf ein allgemeines Verfahrensgesetz. Je nach Vorhaben beträgt die Entscheidungsfrist einen oder drei Monate; nach Satz 6 gilt die Baugenehmigung als erteilt, wenn innerhalb dieser Frist nicht entschieden wird.
Seit dem Zweiten Landesgesetz zur Änderung baurechtlicher Vorschriften vom 22. September 2025 (GVBl. S. 549), in Kraft seit dem 1. Januar 2026, beginnt diese Frist grundsätzlich 15 Arbeitstage nach Eingang des Bauantrags bei der Bauaufsichtsbehörde — vorher war sie an die gesonderte Bestätigung der Vollständigkeit geknüpft. Ist ein gemeindliches Einvernehmen nach § 36 BauGB erforderlich, beginnt die Frist entsprechend später, mit Eingang der Mitteilung der Gemeinde über ihre Entscheidung.
Diese Angaben stammen aus einer Begründung des Landtags Rheinland-Pfalz vom
6. November 2025, die die bereits geltende Rechtslage beschreibt — das
Landesrechtsportal landesrecht.rlp.de liefert für einzelne Paragraphen
derzeit keinen Gesetzestext, sodass der Wortlaut von § 66 Abs. 5 LBauO selbst
hier nicht direkt zitiert werden kann.
Schleswig-Holstein: der Mechanismus ist bestätigt, die Frist nicht
Auch Schleswig-Holstein kennt im vereinfachten Baugenehmigungsverfahren eine Genehmigungsfiktion — mit demselben Aufbau wie Bayern und Niedersachsen: Die Landesbauordnung verweist auf das allgemeine Verwaltungsverfahrensrecht des Landes. Die amtliche Vollzugsbekanntmachung der Landesregierung zur Landesbauordnung (Stand März 2026) nennt dafür ausdrücklich die Fundstelle „§ 111a des Landesverwaltungsgesetzes, § 72 Absatz 1a Satz 1".
Das ist kein Sonderfall dieses Beitrags, sondern der Normalfall bei einer ehrlichen Recherche: Manche Fragen lassen sich mit vertretbarem Aufwand nicht abschließend klären. Wer für Schleswig-Holstein die genaue Frist braucht, sollte sie bei der zuständigen unteren Bauaufsichtsbehörde erfragen oder den Wortlaut des § 111a Landesverwaltungsgesetz bei einer rechtlichen Beratung prüfen lassen.
Baden-Württemberg: eine Fiktion, aber nicht im vollen Verfahren
Baden-Württemberg fehlte in der ersten Fassung dieses Beitrags, weil seine Bauordnung nicht geprüft war. Nachgeprüft fügt es sich in keine der beiden bisherigen Gruppen — und es zeigt, warum die Frage „nach drei Monaten genehmigt?" sich nicht überall mit Ja oder Nein beantworten lässt.
Die Regelung ist jung. Eingeführt hat sie das Gesetz für das schnellere Bauen vom 18. März 2025; nach dessen Artikel 7 trat sie drei Monate nach der Verkündung vom 28. März 2025 in Kraft, und das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen nennt dafür den 28. Juni 2025. Sie steht nicht im Fristenparagraphen, sondern in § 58 LBO — dem Paragraphen über die Baugenehmigung selbst.
§ 58 Abs. 1a LBO — die Fiktion und ihre Maßgaben
Betrifft ein Bauantrag ein Vorhaben im Verfahren nach § 52 oder die Errichtung oder Änderung einer Antennenanlage gilt die Genehmigungsfiktion nach § 42a des Landesverwaltungsverfahrensgesetzes mit folgenden Maßgaben entsprechend: 1. Für die Vollständigkeit des Bauantrags und der Bauvorlagen sowie für den Beginn der Entscheidungsfrist nach § 42a Absatz 2 Satz 1 des Landesverwaltungsverfahrensgesetzes ist § 54 maßgebend; eine Verlängerungsmöglichkeit der Entscheidungsfrist nach § 42a Absatz 2 Satz 3 des Landesverwaltungsverfahrensgesetzes besteht nicht, 2. Abweichungen, Ausnahmen und Befreiungen unterliegen der Genehmigungsfiktion nur, soweit diese beantragt wurden […] Satz 1 findet keine Anwendung, wenn der Antragsteller vor Ablauf der Entscheidungsfrist gegenüber der Baurechtsbehörde elektronisch in Textform auf den Eintritt der Genehmigungsfiktion verzichtet hat.
Drei Festlegungen stecken darin. Die erste ist der Anwendungsbereich: Die Fiktion greift im vereinfachten Baugenehmigungsverfahren nach § 52 LBO und bei Antennenanlagen — im vollen Baugenehmigungsverfahren nicht. Eng ist das trotzdem nicht, denn das vereinfachte Verfahren steht nach § 52 Abs. 1 LBO allen Bauvorhaben außer den Sonderbauten offen, und bei Wohngebäuden der Gebäudeklassen 1 bis 4 samt Nebengebäuden und Nebenanlagen ist neben dem Kenntnisgabeverfahren nur dieses eröffnet.
Die zweite: Verlängern lässt sich die Frist nicht. Nummer 1 schließt die Verlängerungsmöglichkeit, die § 42a Abs. 2 Satz 3 LVwVfG sonst eröffnet, ausdrücklich aus. Unter den Ländern, deren Verlängerungsregel in diesem Beitrag geprüft ist, ist das die einzige Fiktion ohne jede Verlängerung — Sachsen, Brandenburg und Thüringen dürfen um bis zu zwei Monate verlängern, Bayern und Niedersachsen einmal, und selbst Hamburg darf es, wenn die Bauherrschaft einverstanden ist.
Die dritte betrifft den Umfang: Abweichungen, Ausnahmen und Befreiungen fallen nach Nummer 2 nur unter die Fiktion, soweit sie beantragt wurden. Wer eine Befreiung braucht, sie aber nicht beantragt, hat sie nach Fristablauf auch nicht — selbst wenn die Genehmigung im Übrigen als erteilt gilt.
Wie lang die Frist ist, lässt sich dagegen nicht so klar sagen. § 58 Abs. 1a verweist dafür auf § 42a LVwVfG, macht für ihren Beginn aber § 54 LBO maßgebend — und § 54 Abs. 5 LBO nennt zwei Zahlen, von denen die kürzere genau das Verfahren betrifft, an dem die Fiktion hängt.
§ 54 Abs. 5 LBO — Entscheidungsfrist und Fristbeginn
Die Baurechtsbehörde hat über den Bauantrag innerhalb von zwei Monaten, im vereinfachten Baugenehmigungsverfahren und in den Fällen des § 56 Absatz 6 sowie des § 57 Absatz 1 innerhalb eines Monats zu entscheiden. Die Frist nach Satz 1 beginnt, sobald die vollständigen Bauvorlagen und alle für die Entscheidung notwendigen Stellungnahmen und Mitwirkungen vorliegen, spätestens jedoch nach Ablauf der Fristen nach Absatz 3 und nach den §§ 36 Absatz 2 Satz 2, 36a Absatz 1 Satz 4, Absatz 2 Satz 2 BauGB sowie nach § 12 Absatz 2 Sätze 2 und 3 des Luftverkehrsgesetzes.
Der Fristbeginn ist damit an zwei Bedingungen geknüpft, nicht an den Antragseingang: Es müssen die vollständigen Bauvorlagen vorliegen und zugleich alle für die Entscheidung notwendigen Stellungnahmen und Mitwirkungen. Satz 2 lässt die Frist aber spätestens dann anlaufen, wenn die Fristen für diese Stellungnahmen und Mitwirkungen abgelaufen sind — eine ausbleibende Rückmeldung einer beteiligten Stelle hält den Beginn also nicht unbegrenzt auf. Davor liegt noch die Vollständigkeitsprüfung: Sie hat nach § 54 Abs. 1 Satz 1 LBO binnen zehn Arbeitstagen zu erfolgen, und solange nachgebesserte Bauvorlagen fehlen, sind nach Satz 4 alle Fristabläufe gehemmt.
Das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen beschreibt die Fiktion auf seiner Seite zur Reform dagegen mit „der vorgesehenen Frist (drei Monate)" — der allgemeinen Frist des § 42a LVwVfG. Im selben Text heißt es einige Punkte weiter, für das vereinfachte Verfahren gälten „kürzere Entscheidungsfristen (ein Monat)" und es sei „unmittelbar mit der Genehmigungsfiktion verknüpft". Beide Zahlen stehen also in derselben amtlichen Quelle.
Noch eine Monatsfrist steht in § 54 LBO, und sie wird besonders leicht für eine Genehmigungsfiktion gehalten. Sie ist keine:
§ 54 Abs. 3 Satz 3 LBO — nicht die Baugenehmigung
Bedarf nach Landesrecht die Erteilung der Baugenehmigung des Einvernehmens oder der Zustimmung einer anderen Stelle, so gilt diese als erteilt, wenn sie nicht innerhalb eines Monats nach Eingang des Ersuchens unter Angabe der Gründe verweigert wird.
Was hier nach einem Monat als erteilt gilt, ist das Einvernehmen oder die Zustimmung einer anderen Stelle, nicht die Baugenehmigung. Eine beteiligte Behörde verliert ihr Vetorecht; beschieden ist der Bauantrag damit nicht. Wer diesen Satz für eine Genehmigungsfiktion nimmt, verwechselt eine Zwischenstufe des Verfahrens mit seinem Ergebnis — und übersieht, dass die Frist hier mit dem Eingang des Ersuchens bei der anderen Stelle läuft, nicht mit dem Antragseingang beim Bauamt.
Bleibt der Fall ohne Fiktion: das volle Baugenehmigungsverfahren. Dort gilt die Zweimonatsfrist des § 54 Abs. 5 LBO, aber kein Antrag gilt nach ihrem Ablauf als genehmigt. Dass keine Fiktion eintritt, heißt allerdings nicht, dass die Frist folgenlos verstreichen darf — sie steht im Gesetz. Welche Rechtsfolgen ihre Überschreitung hat, hat diese Recherche nicht geprüft; dieser Beitrag behauptet dazu nichts.
Der Vergleich auf einen Blick
| Land | Rechtsgrundlage | Frist | Verlängerung |
|---|---|---|---|
| Niedersachsen | § 70a NBauO → § 42a VwVfG i. V. m. § 1 NVwVfG | 3 Monate, nur Anträge 1.7.2024–31.12.2026 | angemessen, bei Schwierigkeit |
| Bayern | Art. 68 Abs. 2 BayBO → Art. 42a BayVwVfG | 3 Monate ab 3 Wochen nach Zugang | einmal, bei Schwierigkeit |
| Sachsen | § 69 Abs. 4 f. SächsBO | 3 Monate | bis zu 2 Monate, wichtiger Grund |
| Brandenburg | § 63 Abs. 4 BbgBO | 3 Monate | bis zu 2 Monate, wichtiger Grund |
| Thüringen | § 65 Abs. 2 ThürBO | 3 Monate | bis zu 2 Monate, wichtiger Grund |
| Hamburg | § 63 Abs. 3 HBauO | 2 Monate | nur im Einvernehmen der Bauherrschaft |
| Rheinland-Pfalz | § 66 Abs. 5 LBauO | 1 oder 3 Monate, Beginn i. d. R. 15 Arbeitstage nach Antragseingang | nicht Teil dieser Recherche |
| Schleswig-Holstein | § 72 Abs. 1a LBO → § 111a LVwG | nicht abschließend geprüft | nicht abschließend geprüft |
| Baden-Württemberg | § 58 Abs. 1a LBO → § 42a LVwVfG | ein Monat nach § 54 Abs. 5 LBO oder drei Monate nach § 42a LVwVfG — hier nicht entschieden | ausgeschlossen |
Sieben der neun Fristangaben sind am jeweiligen Gesetzestext oder einem amtlichen Begründungsdokument des Landes geprüft. Für Schleswig-Holstein steht absichtlich kein Wert in der Frist-Spalte, für Baden-Württemberg absichtlich zwei: Beide Zahlen sind belegt, ihr Verhältnis zueinander ist es nicht.
Was diese Übersicht nicht zeigt
Sieben Länder fehlen hier ganz: Berlin, Bremen, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, das Saarland und Sachsen-Anhalt. Das bedeutet nicht, dass sie keine Genehmigungsfiktion kennen — nur, dass ihre Landesbauordnungen dafür im Rahmen dieser Recherche nicht geprüft wurden. Verzeichnisse wie die von Kammern oder Bauämtern veröffentlichten Länderübersichten nennen mitunter weitere Länder; ob und mit welcher Frist diese zutreffen, lässt sich nur am jeweiligen Landesrecht selbst prüfen.
Was tun, wenn die Frist abgelaufen ist
Der Eintritt einer Genehmigungsfiktion ändert nichts an der materiellen Rechtslage — sie ersetzt nur die förmliche Entscheidung, nicht die Prüfung der Bauvorschriften. In mehreren der hier geprüften Länder sieht das Gesetz deshalb ausdrücklich vor, dass die Bauaufsichtsbehörde den Eintritt der Fiktion auf Antrag schriftlich bestätigt — in Sachsen als „Zeugnis", das der Genehmigung gleichsteht, in Bayern als Bescheinigung nach Art. 42a Abs. 3 BayVwVfG, in Niedersachsen unaufgefordert nach § 70a Abs. 1 Satz 8 NBauO. In Baden-Württemberg verlangt § 58 Abs. 1a Satz 1 Nr. 4 LBO sie nicht erst auf Antrag: Die Bescheinigung ist unverzüglich zuzustellen oder bekanntzugeben, sie hat den Inhalt der Genehmigung wiederzugeben und eine Rechtsbehelfsbelehrung zu enthalten.
Wer sich auf eine abgelaufene Frist beruft, sollte diese Bestätigung aktiv einfordern, statt sich allein auf den Fristablauf zu verlassen — und vorher prüfen, ob nicht doch rechtzeitig ein Ablehnungsbescheid zugegangen ist oder die Bauherrschaft selbst zuvor auf die Fiktion verzichtet hat, was mehrere der hier genannten Vorschriften ausdrücklich zulassen.

