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BremLBO · Wintergärten

Wintergarten in Bremen ohne Baugenehmigung

Was die Bremische Landesbauordnung (BremLBO) für Wintergärten vorschreibt — mit wörtlichem Gesetzeszitat, berechneter Abstandsfläche und der Grundfläche, die sich daraus in der Praxis ergibt.

Rechtsstand: 22.10.2026Stand: 22.10.2026 — an der Primärquelle geprüft§ 61 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. h Doppelbuchst. bb BremLBO, geprüft auf transparenz.bremen.de

Wie groß darf ein Wintergarten in Bremen ohne Baugenehmigung sein?

Bis 30 m² Brutto-Grundfläche, so § 61 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. h Doppelbuchst. bb BremLBO. Die Freistellung gilt nur ohne Feuerstätte. Den Außenbereich nennt dieser Buchstabe nicht, anders als die Buchstaben a und b derselben Nummer; bauplanungsrechtlich bleibt das Vorhaben dort nach § 35 BauGB aber meist unzulässig. Die Abstandsfläche beträgt 0,4 × Wandhöhe, mindestens 3,00 m.

Rechtsgrundlage: § 61 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. h Doppelbuchst. bb BremLBOStand: 22.10.2026

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Der Gesetzestext im Wortlaut

Verfahrensfreiheit

Überwiegend verglaste, nur zum vorübergehenden Aufenthalt bestimmte Vorbauten (Veranden, Wintergärten) bis zu einer Grundfläche von 30 Quadratmeter und einer Tiefe bis 3,50 Meter.

§ 61 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. h Doppelbuchst. bb BremLBOPrimärquelle(öffnet in neuem Tab)Stand: 22.10.2026 — an der Primärquelle geprüft

Das Änderungsprotokoll verzeichnet 2 Einträge zu Wintergärten in Bremen; der jüngste stammt vom 22. Oktober 2026. Zum Änderungsprotokoll

Rechenbeispiel mit marktüblichen Maßen

Das Rechenbeispiel ist ein Wintergarten in marktüblicher Ausführung: 4,00 × 3,00 m, 2,40 m Wandhöhe, Satteldach bis 3,00 m Firsthöhe. Das sind 12,00 m² Grundfläche und eine mittlere Höhe von 2,70 m — macht 32,4 m³ Brutto-Rauminhalt. Bremen bemisst die Freistellung allerdings nach der Grundfläche. Maßgeblich sind hier also die 12,00 m², nicht der Rauminhalt — eine niedrigere Traufe ändert am Ergebnis nichts.

Rechenbeispiel: Maße für einen Wintergarten in marktüblicher Ausführung und Vergleich mit dem Schwellenwert Bremens.
Grundfläche (außen)12,00 m²
Mittlere Höhe2,70 m
Brutto-Rauminhalt32,4 m³
Schwelle HB30 m²
Erforderliche Abstandsfläche3,00 m
Ergebnisverfahrensfrei

Abstandsflächen und Grenzbebauung in Bremen

In Bremen beträgt die Abstandsfläche 0,4 × Wandhöhe, mindestens 3,00 m. Für das Rechenbeispiel oben sind das 3,00 m. Direkt an die Grenze dürfen Gebäude ohne Aufenthaltsräume und Feuerstätten bis 3,00 m mittlerer Wandhöhe, mit höchstens 9,00 m Wandlänge je Grenze und 18,00 m insgesamt.

Abstandsflächen

Die Tiefe der Abstandsflächen beträgt 0,4 H, mindestens 3 Meter. In Gewerbe- und Industriegebieten genügt eine Tiefe von 0,2 H, mindestens 3 Meter.

§ 6 Abs. 6 Satz 1 und 2 BremLBOPrimärquelle(öffnet in neuem Tab)Stand: 27.08.2026 — an der Primärquelle geprüft

Grenzbebauung

In den Abstandsflächen eines Gebäudes sowie ohne eigene Abstandsflächen sind, auch wenn sie nicht an die Grundstücksgrenze oder an das Gebäude angebaut werden, zulässig Garagen, Carports, Stellplätze für Kraftfahrzeuge, überdachte Fahrradabstellplätze und Gebäude ohne Aufenthaltsräume und Feuerstätten mit einer mittleren Wandhöhe an der Grenze bis zu 3 Meter und einer Gesamtlänge je Grundstücksgrenze von 9 Metern, wobei Dachüberstände und Gesimse von insgesamt nicht mehr als 0,50 Metern unberücksichtigt bleiben. Die Länge der Abstandsflächentiefe gegenüber den Grundstücksgrenzen nicht einhaltenden Bebauungen nach Satz 1 Nummer 1, 2, 4 und 6 darf auf einem Grundstück insgesamt 18 Meter nicht überschreiten.

§ 6 Abs. 8 Satz 1 Nr. 1 und Satz 2 BremLBOPrimärquelle(öffnet in neuem Tab)Stand: 26.08.2026 — an der Primärquelle geprüft

In Bremen gibt es kein Fensterrecht

Dreizehn Länder regeln privatrechtlich, wie nah ein Fenster an die Grundstücksgrenze darf. Bremen gehört nicht dazu. Der Landtag Mecklenburg-Vorpommern hat 2019 festgehalten, dass Mecklenburg-Vorpommern „neben den Stadtstaaten Hamburg und Bremen das einzige Bundesland“ ohne Nachbarrechtsgesetz ist — und mit dem Gesetz fehlt auch der Abschnitt über das Fenster- und Lichtrecht, den fast alle anderen Länder führen.

Für einen Wintergarten ist das der praktisch wichtigste Unterschied zu den Nachbarländern. In Niedersachsen braucht ein Fenster in einer Wand, die in einem Winkel bis zu 75 Grad zur Grenze verläuft, ab einem Abstand unter 2,5 m die Einwilligung des Nachbarn; in Nordrhein-Westfalen liegt die Schwelle bei 60 Grad und 2 m. In Bremen gibt es diese zweite Prüfung nicht: Wenn die Bremische Landesbauordnung den verglasten Anbau an dieser Stelle zulässt, ist er auch privatrechtlich nicht wegen des Ausblicks angreifbar.

Das heißt nicht, dass gar nichts gilt. § 903 BGB stellt den Grundsatz auf, dass der Eigentümer mit der Sache nach Belieben verfahren und andere von jeder Einwirkung ausschließen darf, soweit nicht das Gesetz oder Rechte Dritter entgegenstehen. Die Einschränkungen dieses Grundsatzes sind es, die das Nachbarrecht ausmachen — und in Bremen kommen sie ausschließlich aus dem BGB.

§ 906 BGB ist dabei die zentrale Vorschrift. Der Eigentümer kann die Zuführung von Gasen, Dämpfen, Gerüchen, Rauch, Ruß, Wärme, Geräusch, Erschütterungen und ähnlichen Einwirkungen insoweit nicht verbieten, als sie die Benutzung seines Grundstücks nicht oder nur unwesentlich beeinträchtigt. Für einen Wintergarten sind zwei Einwirkungen denkbar: geblendetes Licht aus der Verglasung und Wärme, die eine grenznahe Glasfläche abstrahlt. Beides ist an dieser Schwelle zu messen und nicht an einem Metermaß.

Eine wesentliche Beeinträchtigung muss der Nachbar ausnahmsweise dennoch hinnehmen, wenn sie durch eine ortsübliche Benutzung des anderen Grundstücks herbeigeführt wird und sich nicht durch wirtschaftlich zumutbare Maßnahmen verhindern lässt. In diesem Fall gibt § 906 Abs. 2 Satz 2 BGB ihm einen Ausgleich in Geld — allerdings nur, soweit die Einwirkung die ortsübliche Benutzung seines Grundstücks oder dessen Ertrag über das zumutbare Maß hinaus beeinträchtigt.

§ 1004 BGB gibt schließlich den Anspruch, mit dem all das durchgesetzt wird: Beseitigung einer bestehenden und Unterlassung einer drohenden Beeinträchtigung, soweit der Eigentümer sie nicht zu dulden hat. Weil diese Maßstäbe im Einzelfall bestimmt werden, gewinnt man in Bremen Freiheit und verliert Planungssicherheit. Eine schriftliche Verständigung mit dem Nachbarn über Lage, Höhe und Verglasung ersetzt hier die Norm, die es nicht gibt.

§ 903, § 906 und § 1004 BGB; kein LandesnachbarrechtQuelle(öffnet in neuem Tab)Stand: 05.08.2026 — Sekundärquelle, Prüfung steht aus

Gelesen: Landtag Mecklenburg-Vorpommern, Drucksache 7/3232 vom 27. Februar 2019: Mecklenburg-Vorpommern ist „neben den Stadtstaaten Hamburg und Bremen das einzige Bundesland, das nicht über ein Nachbarrechtsgesetz verfügt“.

Die Schiebetür entscheidet: offene Verbindung zum Aufenthaltsraum

Die Freistellung sagt nur, dass kein Verfahren stattfindet. Wo der Wintergarten stehen darf, entscheidet § 6 BremLBO, und dort trägt er eine eigene Position: § 6 Abs. 8 Satz 1 Nr. 6 lässt in den Abstandsflächen eines Gebäudes sowie ohne eigene Abstandsflächen „untergeordnete eingeschossige Wintergärten“ zu — aber nur solche, die nicht zum dauernden Aufenthalt geeignet sind, nicht in offener Verbindung zu einem Aufenthaltsraum stehen und von der gegenüberliegenden Nachbargrenze mindestens 2,50 Meter entfernt bleiben. Drei Bedingungen, und die zweite ist die, an der ein Wintergarten in der Praxis am häufigsten scheitert.

Denn ein Wintergarten wird üblicherweise vor das Wohnzimmer gebaut, und die Verbindung dorthin ist der Grund, warum man ihn baut. Eine Schiebetür, die im Sommer offen steht, oder ein Durchbruch ohne trennendes Bauteil stellt genau die „offene Verbindung zu einem Aufenthaltsraum“ her, die Nummer 6 ausschließt. Die Vorschrift verlangt damit nicht, dass niemand den Wintergarten betritt — sie verlangt, dass er ein eigener Raum bleibt und nicht zur Erweiterung des dahinterliegenden wird. Eine dicht schließende Tür, die den Wintergarten vom Wohnraum abtrennt, ist nach dem Wortlaut der Unterschied zwischen Privilegierung und voller Abstandsfläche.

Die beiden Adjektive davor gelten nur für den Wintergarten, nicht für die überdachte Terrasse, die dieselbe Nummer nennt: „untergeordnete eingeschossige“ steht unmittelbar vor „Wintergärten“. Eingeschossig ist eindeutig. „Untergeordnet“ ist ein eingeführter Begriff des Abstandsflächenrechts und meint, dass der Vorbau dem übrigen Gebäude nach Größe und Funktion nachgeordnet bleibt; das Gesetz selbst definiert ihn nicht. Ein Anbau, der die Wohnfläche nennenswert erweitert, ist nach diesem Verständnis nicht mehr untergeordnet — und damit nicht mehr Fall der Nummer 6, so klein er bleibt.

Auffällig ist, dass das Gesetz dieselbe Frage zweimal stellt und dabei zweimal anders formuliert. Im Freistellungskatalog muss der verglaste Vorbau „nur zum vorübergehenden Aufenthalt bestimmt“ sein (§ 61 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. h Doppelbuchst. bb BremLBO), im Abstandsflächenrecht darf er „nicht zum dauernden Aufenthalt geeignet“ sein (§ 6 Abs. 8 Satz 1 Nr. 6). Einmal die Bestimmung, einmal die Eignung; einmal „vorübergehend“, einmal „dauernd“. Das sind zwei Prüfungen mit zwei Wortlauten, und sie können verschieden ausgehen: Verfahrensfreiheit und Grenzposition sind in Bremen getrennte Fragen mit getrennten Antworten.

Fällt der Wintergarten aus Nummer 6 heraus, ist er nicht unzulässig, sondern braucht eine eigene Abstandsfläche — nach § 6 Abs. 6 Satz 1 BremLBO 0,4 H, mindestens 3 Meter. Verfahrensfrei kann er dabei bleiben, solange er die 30 Quadratmeter Grundfläche und die 3,50 Meter Tiefe des Doppelbuchstabens bb einhält. Wer diesen Weg gehen muss, rechnet die Tiefe der Abstandsfläche vor der Bestellung aus und nicht nach dem Aufbau; und wer ihn vermeiden will, plant die trennende Tür von Anfang an ein.

§ 6 Abs. 6 Satz 1 und Abs. 8 Satz 1 Nr. 6, § 61 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. h Doppelbuchst. bb BremLBOQuelle(öffnet in neuem Tab)Stand: 22.10.2026 — an der Primärquelle geprüft

Gelesen: Bremische Landesbauordnung vom 29. Mai 2024 (Brem.GBl. 2024, S. 270; berichtigt S. 381), Volltextansicht im Transparenzportal Bremen, Gesamtausgabe in der Gültigkeit vom 1. Juli 2024 bis 31. Dezember 2026 (letzte berücksichtigte Änderung: Artikel 1 des Gesetzes vom 1. September 2026, Brem.GBl. S. 623). Gelesen: § 2 Abs. 2 und Abs. 11, § 6 Abs. 6 bis 8, § 59 Abs. 2, § 61 Abs. 1 Nr. 1 Buchstabe h mit den Doppelbuchstaben aa und bb, Buchstabe i und Nr. 15 Buchstabe e sowie § 86 Abs. 1 Nr. 1. Gegengelesen in den beiden künftigen Gesamtausgaben, die dasselbe Portal ausliefert (Gültigkeit ab 1. Januar 2027 und ab 14. Januar 2027): Doppelbuchstabe bb, § 6 Abs. 8 Satz 1 Nr. 6 und § 6 Abs. 8 Satz 2 sind in allen drei Fassungen zeichengleich; im Obersatz des Buchstaben h fehlt in beiden künftigen Fassungen der Halbsatz „außer im Geltungsbereich örtlicher Bauvorschriften nach § 86 Absatz 1 Nummer 1“. Welches Änderungsgesetz diese Streichung anordnet, ist nicht belegt — die Änderungshistorie des Portals führt § 61 nicht auf, und das Verkündungsblatt zu Brem.GBl. 2026 S. 623 war an diesem Tag nicht abrufbar.

Besonderheiten Bremens

  • Bremen stellt darauf ab, dass der Vorbau nur dem vorübergehenden Aufenthalt dient. Ein beheizter, ganzjährig genutzter Wohnraum fällt nicht darunter.
  • Dieselbe Nummer stellt die Terrasse und ihre Überdachung mit denselben beiden Maßen frei. Die zwei Merkmale „überwiegend verglast“ und „nur zum vorübergehenden Aufenthalt bestimmt“ gelten nach der Stellung im Satz allein für den Vorbau.
  • Das Land Bremen umfasst die Stadtgemeinden Bremen und Bremerhaven mit getrennten Bauordnungsämtern; die Landesbauordnung gilt für beide.
  • Bremen regelt die Abstandsflächentiefe in § 6 Abs. 6, nicht wie die meisten Länder in Absatz 5.

Bundesweit gültige Hinweise

  • Sieben Länder haben den Wintergarten inzwischen in ihren Katalog aufgenommen, meist beschränkt auf den unbeheizten Anbau an ein Wohnhaus der Gebäudeklassen 1 bis 3. In den übrigen neun Ländern bleibt er genehmigungspflichtig.
  • Für jeden beheizten Wintergarten gelten zusätzlich die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes an den Wärmeschutz — unabhängig davon, ob ein Verfahren stattfindet.

Alle acht Vorhabenarten in Bremen im Überblick — mit BremLBO, Abstandsflächen und Grenzbebauung.

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Häufige Fragen: Wintergarten in Bremen

Braucht ein Wintergarten in Bremen eine Baugenehmigung?

Nicht, solange die Brutto-Grundfläche unter 30 m² bleibt, so § 61 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. h Doppelbuchst. bb BremLBO. Darüber ist ein Bauantrag erforderlich. Die Freistellung gilt nur ohne Feuerstätte. Den Außenbereich nennt dieser Buchstabe nicht, anders als die Buchstaben a und b derselben Nummer; bauplanungsrechtlich bleibt das Vorhaben dort nach § 35 BauGB aber meist unzulässig.

Welcher Grenzabstand gilt in Bremen für Wintergärten?

0,4 × Wandhöhe, mindestens 3 m, so § 6 Abs. 6 Satz 1 und 2 BremLBO. Bei 2,60 m Wandhöhe sind das 3 m. Für Gebäude ohne Aufenthaltsräume und Feuerstätten bis 3 m mittlerer Wandhöhe ist die Grenzbebauung auf 9 m Länge zulässig.

Gilt die Regel in Bremen auch im Kleingarten?

Nein, dort gilt zusätzlich § 3 Abs. 2 BKleingG: höchstens 24 m² Grundfläche einschließlich überdachtem Freisitz, und die Laube darf nicht zum dauernden Wohnen geeignet sein. Diese Grenze gilt auch dort, wo BremLBO großzügiger wäre.

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